Interview zu Biowaffen – „Keine Panik“

Auszüge aus dem Interview von Professor Stefan H. E. Kaufmann vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin mit dem Handelsblatt:
Können Anthrax-Bakterien künstlich hergestellt werden?

“Für Normalbürger ist der Zugang zu Milzbrand- bakterien so gut wie unmöglich,” erklärte Professor Stefan H. E. Kaufmann vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin dem Handelsblatt. Hier Auszüge aus dem Interview.
Professor Stefan H. E.

Nein. Es ist in Europa und in den USA sehr schwer, an den Erreger zu gelangen. Er kommt in der Erde vor und in Tierkadavern, wurde aber in unseren Breiten weitgehend eliminiert. Man muss sehr lange suchen und mikrobiologische Kenntnisse haben, um an diesen Keim heranzukommen. Mit krimineller Energie kann man allerdings über Labors, die über den Erreger verfügen, wie zum Beispiel staatliche Stamm-Sammlungen, auf illegale Weise Zugang zu Anthrax-Bakterien bekommen. Für einen Normalbürger ist der Zugang jedoch so gut wie unmöglich.

Es ist aber doch erwiesen, dass biologische Waffen hergestellt worden sind?

Ja, vor allem in der ehemaligen Sowjetunion und auch früher in Südafrika. 1979 gab es einen Ausbruch von Milzbrand in Russland. Heute wissen wir, dass das auf einen Unfall in einer biologischen Waffenfabrik in Swerdlowsk zurückzuführen war.

Nach den Erkrankungsfällen in den USA wächst die Furcht auch in Deutschland. Gibt es Schutzmöglichkeiten?

Wenn der Anthrax-Bazillus rasch diagnostiziert wird, helfen Antibiotika. Eine prophylaktische Impfung als Schutz vor Biowaffen ist prinzipiell theoretisch möglich, aber in der Bundesrepublik gibt es im Moment nicht die Voraussetzungen, jetzt sofort Massenimpfungen durchzuführen. Impfstoffe müssten entwickelt werden, und die Industrie müsste mitspielen. Es gibt jedoch keinen Grund, in Panik auszubrechen, denn der durch Anthrax-Bakterien ausgelöste Milzbrand ist äußerst selten.

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