Helicobacter-Forschung – Enterhaken entdeckt

Entzündungen, Geschwüre und sogar Krebs: Die Liste an Schäden, die das Bakterium Helicobacter pylori in unserem Magen anrichten soll, ist beängstigend. Intensiv suchen Forscher daher nach einem Impfstoff gegen den weit verbreiteten Erreger. Ein internationales Forscherteam in Schweden hat nun die molekularen Enterhaken untersucht, mit deren Hilfe sich Helicobacter an die Magenschleimhaut hängt und in sie eindringt. Die Entdeckung bietet einen hoffnungsvollen Ansatz für mögliche Impfstoffe.

Helicobacter pylori ist vermutlich für die meisten Fälle von Magengeschwüren und Magenkrebs verantwortlich.
Helicobacter pylori ist vermutlich für die meisten Fälle von Magengeschwüren und Magenkrebs verantwortlich.

Bis in die Achziger Jahre galten Stress und Übersäuerung des Magens als die wichtigsten Gründe für Magenschleimhaut-Entzündungen, Magengeschwüre und Magenkrebs. Erst ein spektakulärer Selbstversuch im Labor des australischen Pathologen J. Robin Warren rückte ein Bakterium ins Zentrum des Interesses, das man bis dahin für harmlos gehalten hatte: Barry J. Marshall, ein Mitarbeiter Warrens, schluckte eine Kultur mit Helicobacter pylori-Bakterien und bekam daraufhin tatsächlich eine schmerzhafte Magenschleimhaut-Entzündung. Heute geht man davon aus, dass für die weitaus meisten Fälle von Magengeschwüren und vor allem auch Magenkrebs jenes scheinbar harmlose Bakterium verantwortlich ist.

Entsprechend intensiv wird deshalb nach Mitteln gegen den Erreger gesucht. Zwar lässt sich Helicobacter wie alle Bakterien mit Antibiotika bekämpfen, jedoch werden zunehmen mehr Erreger gegen die wichtigsten Wirkstoffe resistent. Wesentlich effektiver wäre daher ein Impfstoff gegen das Bakterium. Einen guten Ansatzpunkt für die Entwicklung eines solchen Stoffes könnten nun die Erkenntnisse bieten, die Wissenschaftler im Fachmagazin Science veröffentlicht haben.

Kritischer Schritt: Helicobacter (rot) haftet sich an eine Epithelzelle (blau). an
Kritischer Schritt: Helicobacter (rot) haftet sich an eine Epithelzelle (blau) an

Demnach nutzt Helicobacter offenbar ausgerechnet den Hilferuf der befallenen Zellen, um sich an ihnen festzukrallen. Als Reaktion auf die Infektion bauen die Zellen der entzündeten Schleimhaut spezielle Zuckermoleküle in ihre Hülle ein, welche Immunzellen zur Unterstützung herbei rufen sollen. Das Bakterium stellt jedoch ein Protein her, das genau an diese Zuckermoleküle binden kann – je mehr sich der infizierte Magen wehrt, um so besser kann der Erreger also haften. Zudem gelangt Helicobacter mit Hilfe dieser molekularen Enterhaken in tiefere Regionen der Schleimhaut, in der die Erreger besser wachsen und zugleich vom Körper schwieriger bekämpft werden können.

Um die Bedeutung dieses Mechanismus zu überprüfen, züchteten die Forscher um Thomas Borén von der schwedischen Universität Umea Bakterien, denen der Enterhaken fehlt. Tatsächlich konnten diese Erreger nicht mehr an der entzündeten Schleimhaut haften. In früheren Untersuchungen hatten Borén und seine Kollegen bereits ein weiteres Molekül gefunden, mit dessen Hilfe Helicobacter sich an gesunden Zellen festhält. Diese Moleküle sind nach Meinung der Forscher also wesentlich für die Wirkung des Bakteriums. Wenn man sie mit einem Impfstoff blockieren könnte, dürfte Helicobacter wohl nur noch ein harmloses Bakterium sein.

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