Hautkrebs – Der Weg zur individuellen Tumortherapie

Das Maligne Melanom ist die gefährlichste Art von Hautkrebs: Über 10.000 Menschen erkranken jedes Jahr daran in Deutschland, etwa 2000 davon tödlich. Forscher konnten nun zeigen, dass in zwei Dritteln aller Fälle eine einzige Mutation für die Entartung der Hautzellen verantwortlich ist – und damit neue Wege für die Therapie weisen.
Das sich oberflächlich ausbreitende Melanom (SSM) ist mit 60% die häufigste Form des malignen Melanoms.
Das sich oberflächlich ausbreitende Melanom (SSM) ist mit 60% die häufigste Form des malignen Melanoms.

Krebs ist eine genetische Erkrankung: Veränderungen der Erbsubstanz einer Zelle führen dazu, dass sich diese unkontrolliert vermehren kann. Welcher Defekt im Einzelfall jedoch genau vorliegt, ist nur bei den allerwenigsten Krebsarten geklärt. Aufbauend auf den Daten des Human Genom Projektes wurde vor gut einem Jahr das Cancer Genome Project ins Leben gerufen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll in großangelegten Studien für die gängigsten Krebsarten geklärt werden, welche Gene beteiligt sind.

Nun liegt überraschenderweise bereits ein erstes greifbares Ergebnis vor: In der Online-Version der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Richard Wooster und Kollegen vom Wellcome Trust Sanger Institute in Hinxton, Großbritannien, soeben ihre Daten zum Gen BRAF (sprich B-RAF). Sie verglichen jeweils die DNA in Krebszellen und gesunden Zellen aus demselben Patienten und fanden Unterschiede in der BRAF-Sequenz. Davon ausgehend dehnten sie die Untersuchung auf etwa 1000 verschiedene Proben von Krebszellen aus und fanden, dass das Gen BRAF in etwa 70 Prozent aller Malignen Melanome verändert ist, darüber hinaus in etwa 10 Prozent von Dickdarmkrebs sowie in anderen Krebsarten.

Obwohl das Gen BRAF aus etwa 2200 Buchstaben, so genannten Nukleotiden besteht, ist beim weitaus überwiegenden Teil stets das gleiche Nukleotid verändert. Die Folge dieser Veränderung ist, dass das entstehende BRAF-Protein in seinem aktiven Zentrum eine veränderte Aminosäure trägt. Normalerweise wirkt BRAF wie ein Schalter. Erhält die Zelle von außen das Signal zur Teilung, steht der Schalter auf an und legt seinerseits weitere Schalter um, die schließlich eine Teilung der Zelle einleiten. Das veränderte BRAF-Protein hingegen steht dauerhaft auf an und führt zu einer ungebremsten Vermehrung der Zelle: Krebs entsteht.

Das Überraschendste an dieser Erkenntnis ist für Institutsleiter Mike Stratton die Tatsache, dass sie „direkt zur Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten für das Maligne Melanom führen könnte. Da das mutierte BRAF dauerhaft angeschaltet ist, haben wir bereits begonnen, nach Arzneimitteln zu suchen, die in der Lage sind, es wieder auszuschalten. Dadurch ließe sich das Wachstum solcher Tumoren hemmen.“ Da es sich beim Malignen Melanom um eine sehr aggressive Tumorart handelt, bestehen Heilungschancen derzeit nur bei einer sehr frühzeitigen Erkennung: Das Maligne Melanom macht zwar nur 11% aller Fälle von Hautkrebs aus, ist jedoch für fast alle Todesfälle durch Hautkrebs verantwortlich. Durch eine Veränderung des Schönheitsideals und Freizeitverhaltens hat sich die Häufigkeit dieser Tumorart in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Wer sich schützen möchte, sollte vor allem übermäßige UV-Einstrahlung und Sonnenbrände vermeiden.

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