Klonschaf Dolly

Werden Klone schneller alt?

Kaum aus der Pubertät, schon ein Greis: Das Klonschaf Dolly leidet unter Rheuma. Wie beim Menschen ist die Arthritis auch bei Schafen eine typische Alterserscheinung und in jungen Jahren äußerst selten. Dolly wurde im Juli 1996 geboren, die natürliche Lebenserwartung von Schafen liegt bei etwa 15 Jahren. Obwohl noch ungeklärt ist, ob die Erkrankung mit dem Klonierungs-Prozess zusammen hängt, wird nun vermehrt Kritik an der Technik laut.

Das Klonschaf Dolly mit seinem ersten Lamm.
Das Klonschaf Dolly mit seinem ersten Lamm.

Dolly war das weltweit erste Säugetier, das aus einer Körperzelle eines erwachsenen Tieres geklont wurde. Seitdem ist dieselbe Technik mehrfach an anderen Tieren angewandt worden, darunter an Kühen und Schweinen. Bei der Methode wird das Erbgut aus einer Körperzelle entnommen und in eine Eizelle gegeben, der zuvor der Zellkern entfernt wurde. Die Eizelle wird schließlich in die Gebärmutter eines anderen Tieres eingepflanzt. Das entstehende Tier ist daher genetisch identisch mit dem Erbgut-Spender.

In den allermeisten Fällen sterben die geklonten Tiere jedoch vor oder kurz nach der Geburt. Als Hauptproblem gilt die Tatsache, dass das Erbgut in erwachsenen Körperzellen im Gegensatz zu embryonalen Zellen verändert ist. So werden meist weite Bereiche der DNA mit kleinen Molekülen, den Methylgruppen, markiert. Diese Teile des Erbguts werden dann nicht mehr abgelesen. Bislang kann diese Markierung nicht wieder rückgängig gemacht werden. Dass aus der entsprechend markierten DNA dennoch ein gesundes Klontier entstehen könnte, hielten viele Wissenschaftler bis zu Dollys Geburt für unmöglich.

Aus einer Eizelle wird der Zellkern entfernt. Fotos: Roslin Institute
Aus einer Eizelle wird der Zellkern entfernt. Fotos: Roslin Institut

Ein weiteres Problem bei der Klonierung erwachsener Lebewesen liegt darin, dass auch das Erbgut altert. Bei jeder Verdopplung der DNA gehen einige Basen an den Enden des DNA-Moleküls verloren. Zwar befinden sich dort aus diesem Grund große Bereiche, die keine Gene enthalten, doch schrumpft dieser Puffer im Laufe des Lebens. Zudem sammeln sich im Laufe der Zeit Mutationen im Erbgut an, die möglicherweise schädliche Auswirkungen haben.

„Wir wissen schon, dass es eine ungewöhnliche Häufigkeit von Todesfällen bei der Geburt geklonter Tiere gibt“, sagte Ian Wilmut vom Roslin Institute in Edinburgh, einer von Dollys „Vätern“, im britischen Rundfunk. Es würde wohl niemals zu beweisen sein, ob Dollys Erkrankung eine Folge der Klonierungs-Technik oder reiner Zufall sei. Trotzdem müssten die Auswirkungen des Klonens auf die Gesundheit der Tiere nun noch intensiver untersucht werden.

Viele Tierschutz-Organisationen und Gegner der Klonierungs-Versuche fordern dagegen ein Ende der Technik. Auch die Anleger an der Londoner Börse zeigten deutlich, was sie von Dollys Krankheit hielten: Die Aktien der Firma PPL Therapeutics, die die Erkenntnisse des Dolly-Teams vermarktet, verloren binnen Minuten rund 15 Prozent an Wert. Auf jeden Fall wird Dollys jugendliche Alterserkrankung das Augenmerk der Wissenschaftler stärker als bisher auf die Spätfolgen ihrer Forschung lenken.

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