Ethische Dimensionen der Genforschung

Gläserner Mensch?

Jetzt wissen wir, dass wir noch nichts wissen. Die Biologie unseres Daseins ist viel komplizierter als die Forscher bislang dachten. Wir kennen den Bauplan des Lebens, aber wir verstehen ihn noch lange nicht. Das ist beruhigend.

Denn es gibt uns Zeit, über die Folgen unserer Entdeckungen nachzudenken. Viele Überraschungen hat unser Genom für uns bereit gehalten: Viel weniger Gene als vermutet haben die Forscher gefunden, ebenso eine verblüffende Übereinstimmung der vorhandenen Gene selbst mit vermeintlich niederen Organismen, und riesige Bereiche auf den Chromosomen haben keine bekannte Funktion. Mit Spannung wartet die Wissenschaft auf das erste entzifferte Genom eines anderen Säugetiers, der Maus: Es wird von dem unseren vermutlich kaum zu unterscheiden sein. Wir lernen viel über uns in diesen Tagen, und dieses neue Wissen wird auch unser Selbstbild verändern.

Arm in Arm mit der Genomforschung stürmt auch die Bioethik voran. Ähnlich wie Chemie und Physik im 20. Jahrhundert eröffnet nun die Biologie im neuen Jahrtausend ungeahnte Chancen und neue Risiken. Drei Prozent der Projektmittel im Deutschen Humangenomprojekt sind daher für die „ethische Begleitforschung“ reserviert. In einer ersten Phase haben Naturwissenschaftler und Ethiker auf verschiedenen Kongressen das Feld der sozialen und rechtlichen Aspekte der Genomforschung sondiert. Auf der Internetseite des Deutschen Humangenomprojektes finden sich weitere Informationen dazu.

Wer ein neues Land entdecken will, muss auch seine Grenzen kennen lernen. In der Forschung sind das die Grenzen der Möglichen und die Grenzen des Erwünschten. Diese Grenzen auszuloten, muss Aufgabe der ganzen Gesellschaft sein. Die Interviews, Statements und Texte auf dieser Seite sollen die aktuelle Diskussion abbilden.

Dieser Beitrag wurde unter Genomstation veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.