Der Wettlauf – Die Ersten werden die Reichsten sein

Beim Rennen um die Entschlüsselung des menschlichen Genoms ging es nicht nur um wissenschaftlichen Ruhm: Im Verlauf der Sequenzierung hagelte es Patente, der Zugriff auf die Genomdaten drohte einer finanzkräftigen Elite vorbehalten zu bleiben.

DNA-Sequenzierung am Computer: Jede Base hat ihre Farbe
DNA-Sequenzierung am Computer: Jede Base hat ihre Farbe

Im Jahre 1998 begann das Rennen um das menschliche Genom: Die Firma „Celera“ des US-Amerikaners Craig Venter begann mit der Entzifferung des menschlichen Erbguts – und machte damit dem öffentlich geförderten Humangenomprojekt Konkurrenz. Die Strategie der Firma war es, möglichst viele Patente auf Gensequenzen zu erhalten. In den USA ist das auch dann möglich, wenn man nichts über deren Funktion weiß. Zwar sind die wenigsten dieser Patentanträge bis heute entschieden, doch die Angst saß dem öffentlichen Humangenomprojekt im Nacken: Weltweit wurden die staatlichen Forschungsgelder deutlich aufgestockt, und plötzlich wurde es für die Forscher an Universitäten und Großforschungseinrichtungen wichtig, möglichst schnell zu Ergebnissen zu kommen.

Siegerin blieb auf den ersten Blick dennoch die Firma Celera: Am 6. April 2000 gab das Unternehmen bekannt, es habe das menschliche Erbgut praktisch (zu 97 Prozent) aufgeklärt – erst 10 Wochen später konnten die Forscher des öffentlich geförderten Humangenomprojekts mit einer entsprechenden Meldung nachziehen. Allerdings konnte die Erfolgsmeldung von Celera zunächst nicht nachgeprüft werden, denn sie erschien in Form einer Pressemitteilung und nicht als wissenschaftliche Veröffentlichung. Zudem wandte Celera mit der so genannten totalen Schrotschussmethode auch eine etwas andere Technik für die Entzifferung des Erbguts an, an deren Leistungsfähigkeit mehrere Forscher des Humangenomprojekts Zweifel äußerten.

Inzwischen wurde der Wettlauf durch ein Remis beendet: Die beiden Parteien haben beschlossen, das Erbgut des Menschen zu ihrem gemeinsamen Anliegen zu erklären. Am 12. Februar 2001 präsentierten Celera und das öffentliche Humangenomprojekt gemeinsam die erste detaillierte Karte des menschlichen Erbguts.

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