Der kleine Unterschied

GenkarteAlle Menschen sind gleich – zumindest zu 99,9 Prozent ihrer Erbinformation. Jene 0,1 Prozent unserer Gene sind es, die unsere Individualität begründen, die Haarfarbe, Schuhgröße und Hautpigmentierung festlegen.

Die Träger dieser Erbinformationen sind die Chromosomen im Zellkern. Sie bestehen aus einem langen, vielfach aufgewickelten Doppelfaden eines kettenförmigen Moleküls, der DNA .


Die Erbinformation steckt in der Abfolge der vier verschiedenen DNA-Bausteine, den so genannten Basen: Adenin (A), Thymin (T), Cytosin (C) und Guanin (G). Jeweils zwei Bausteine liegen sich in dem Doppelfaden nach festen Regeln gegenüber: A paart sich stets mit T, C stets mit G. So legt die Basen-Reihenfolge eines DNA-Strangs gleichzeitig die des gegenüberliegenden zweiten Strangs mit fest.

Jedes Chromosom enthält eine Vielzahl von Genen: Funktionsabschnitte auf dem DNA-Faden, die den Bauplan für Protein-Moleküle enthalten. Insgesamt enthält das menschliche Genom etwa drei Millionen Basenpaare – und wer ihre Reihenfolge kennt, hält den Bauplan des Menschen in der Hand.

Was für eine gigantische Aufgabe! Die vollständige Entschlüsselung des menschlichen Genoms wäre noch vor 30 Jahren undenkbar gewesen. Seit 1990 arbeiten Wissenschaftler aus den USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Japan gemeinsam daran, diesen Meilenstein der Forschung zu erreichen. Und sie sind ihm nun greifbar nahe: Eine erste Fassung dieses Textes aus den vier Buchstaben A, T, C und G liegt vor, und gedruckt würde er eine ganze Bibliothek aus 10.000 Büchern mit je 300 Seiten füllen.

Doch schon ist der Bauplan des Menschen nur noch einer unter vielen. Wissenschaftler entschlüsseln das Erbgut von Modellorganismen, an denen weltweit die Grundlagen des Lebens erforscht werden. Der Vergleich mit ihrem Genom soll helfen, unseren eigenen Bauplan zu verstehen. Maus und Zebrafisch, Taufliege und Bäckerhefe, Ackerschmalwand und demnächst die Banane sind Genomprojekte im Schatten des Human-Genom-Projekts. Schon kann man die ersten Vergleiche anstellen: Anscheinend haben wir nur wenig mehr Gene als beispielsweise die Pflanze Ackerschmalwand. Wie dieser kleine Unterschied den Menschen ausmacht, wird die Forschung wohl noch einige Zeit beschäftigen.

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