Alzheimer-Therapie

Ohne Klebstoff keine Klumpen

Mit einer neuen Strategie rücken Forscher den schädlichen Protein-Ablagerungen zu Leibe, die Alzheimer, Diabetes und andere Krankheiten begleiten: Sie entziehen diesen so genannten Amyloid-Plaques den molekularen Klebstoff. In ersten Tests an Tieren und Menschen ließ sich die Bildung der Plaques auf diese Weise stoppen und teilweise sogar rückgängig machen.

Fünf SAP-Moleküle (Bild: UCL-CAAPP)
Fünf SAP-Moleküle (Bild: UCL-CAAPP)

Eine Vielzahl von Krankheiten wird von Ablagerungen falsch gefalteter Proteine begleitet, die Organe verkleben können. Im Fall von Alzheimer handelt es sich um das Beta-Amyloid-Protein, das im Gehirn der Kranken große Plaques bildet. Verschiedene wichtige Ansätze im Kampf gegen die Krankheit zielen seit langem darauf, diese Plaques anzugreifen.

Forscher des Pharmaunternehmens Roche und verschiedener Universitäten haben sich in ihrer jetzt veröffentlichten Arbeit auf das Protein „Serum Amyloid P“, kurz SAP, konzentriert. Dieses Protein hält wie ein Klebstoff die schädlichen Ablagerungen zusammen. Es kommt im normalen Blutserum vor, ist sehr stabil und kann nur in der Leber abgebaut werden. Die Wissenschaftler untersuchten eine große Reihe an Wirkstoffen, um SAP im Blut abzufangen und den Abbau möglichst zu beschleunigen. Am geeignetsten war schließlich eine „CPHPC“ getaufte Substanz, die einem Doppelmolekül der Aminosäure Prolin ähnelt.

Zwei SAP-Moleküle (grün, oben und unten) werden durch fünf Moleküle CPHPC (blau, Mitte) zusammen gehalten (Bild: UCL-CAAPP)
Zwei SAP-Moleküle (grün, oben und unten) werden durch fünf Moleküle CPHPC (blau, Mitte) zusammen gehalten (Bild: UCL-CAAPP)

Der Leiter der Studie, Mark Pepys von der Londoner Royal Free and University College Medical School, beschreibt in der Fachzeitschrift Nature die CPHPC-Therapie als hoffnungsvoller Ansatz im Kampf gegen Alzheimer. Zwar ist noch nicht geklärt, ob die Amyloid-Plaques tatsächlich Ursache oder lediglich Begleiterscheinung der Krankheit sind, jedoch hoffen die Forscher, auch diese Frage bald beantworten zu können.

Im Tierversuch konnte CPHPC den Plaque-Klebstoff so effektiv binden und unwirksam machen, dass sich die Ablagerungen zum Teil wieder auflösten. Erste klinische Versuche am Menschen bestätigten zumindest, dass SAP im Blut abgefangen wird. Ob sich auch beim Menschen die schädlichen Ablagerungen rückgängig machen lassen, ist noch nicht sicher. Mark Pepys dämpft selbst in diesem Fall die Hoffnungen: Bis der neue Wirkstoff allgemein eingesetzt werden kann, werden auf jeden Fall noch Jahre vergehen.

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